4. Juni, bedeckter Himmel, angenehme, warme Temperatur. Der Wind peitscht mir beständig ins Gesicht als ich auf meinem Mountainbike mit Scheibenbremsen und 24-Gang-Schaltung ausgestattet Richtung Schloss Merkenstein radle. Die Tour fordert alles von mir, ich schwitze, keuche und mit jedem Tritt denke ich mir: Ich bin meinem Ziel schon näher!
"Duuuu, wir fahren gerade 5 km/h. Mein Rad kann 35!" sagt das Gesicht, das extra umgedreht hat und zurückgefahren ist, um mir diese bahnbrechende Mitteilung zu unterbreiten.
Szenenwechsel. Etwas früher an diesem Tag bei meiner Frisörin. Sie: "Du, ich glaub mit dem wachsen lassen wird das bei dir nichts. Deine Haare sind so komisch!" Ich: "Was meinst du mit komisch? Sie sind eben unten sehr dicht! Ich versteh nur nicht: Früher sind sie wirklich extrem schnell gewachsen, ich bin sogar darauf angesprochen worden beim Schneiden und jetzt lass ich sie schon drei Monate wachsen und es geht nichts weiter!" Sie: "Naja, du bist jetzt eben älter." .....
Fünf Tage zuvor bin ich 28 Jahre alt geworden. In der römischen Zahlendarstellung zeichnet man da schon rückwärts. 30 minus 2. Tja, der "Jugendlichen-Bonus" ist ausgespielt. Nun heißt es Verantwortung tragen für das eigene Tun und das Können zeigen, das man sich jahrelang antrainiert hat. Komischerweise hatte ich diese innere tiefe Überzeugung punktgenau am Tag X meines 28. Geburtstags. Eine erste Midlife-Crisis? Vielleicht. Eigenartig nur, dass ich zeitgleich auch das Gefühl hatte, die letzten 10 Jahre meines Lebens seien mindestens doppelt so schnell vergangen wie diejenigen zuvor. Was ist in meinem Lebensjahr Nummer 25 passiert? Keine Ahnung! Mit 16? Die erste große Liebe! 26? Weiß nicht. 17? So viele Erinnerungen! Vom abendlichen Ausgehen bis zu den Bällen, Tanzschule, Schulaufenthalte in Spanien und Frankreich.
Wie gut, dass ich Psychotherapie studiere und weiß, dass das nur die subjektive Wahrnehmung ist. Ich habe genauso viel Zeit wie immer. Eigentlich. Nur häufen sich die sich wiederholenden Ereignisse im Leben. Ich erlebe jetzt nicht mehr so viel Neues wie in den Jahren zuvor, deshalb funktioniert die Speicherung im Gehirn anders. Alles, was wir das erste Mal erleben und erfahren, wird vom Gehirn sehr präsent gespeichert. Als hätten wir eine Box, in die Erlebnisse X hineinkommen und zur schnelleren Erfassung kleben wir ein Foto von einem beispielhaften Exempel darauf. Evolutionstheoretisch natürlich sehr sinnvoll, denn wenn wir beim zweiten Mal, da wir einem Braunbären gegenüber stehen, erst überlegen müssten wie und wann denn das erste Mal war, hätten wir ein - sagen wir mittelgroßes - Problem. Auch das erste Mal Herdplatte angreifen bleibt uns durch Gefühle sehr klar gespeichert, dieses Wissen lebenswichtiger Informationen ist unmittelbar vorhanden.
Erlebnisse, die ähnlich einem waren, das wir bereits erlebt haben, kommen in die oben erwähnte Box mit dem Exempel-Foto vorne darauf. Und werden im einzelnen nicht mehr so einfach erinnert. Sie werden zu Gewohnheit. Jedes Erlebnis überspeichert das vorhergehende. Jeder Sonnenaufgang, den wir miterleben, lässt uns den "unvergesslichen" ersten auch ein wenig weiter in die Ferne rücken und ein wenig weniger unvergesslich machen. Tja. Dinge, die sie GENAU SO! in Erinnerung behalten möchten, sollten also möglichst nur ein einziges Mal gemacht werden. Heiraten. Paragliden. ;)
Paul Matussek, ein Psychiatrieprofessor aus München, der 2003 verstorben ist meinte dazu Folgendes: "Je intensiver ein Mensch seinen Alltag, seinen Beruf, sein individuelles Leben zu erneuern und aus öder Sterilität in eine schöpferische "Neugeburt" umzugestalten vermag, desto reicher und erfüllter wird er sein Leben erfahren. Womit Matussek dem von vielen als beängstigend und einschüchternd empfundenen Anpassungsdruck eine hellere psychische Farbe gibt." (http://derstandard.at/1308186302003/Beruflich-mithalten-Was-zukunftsfaehige-Koepfe-auszeichnet)
Auch unser Lernen funktioniert übrigens ähnlich: Wir merken uns Dinge, die für uns relevant sind, oder die wir genügend oft wiederholen. Und nichts anderes. Lehrer können sich weitgehend dafür entscheiden, welche Methode sie verfolgen wollen. Ich selbst habe Geschichte zum Beispiel überhaupt nicht gemocht. Jahreszahlen und Grenzverschiebungen haben mich genau überhaupt nicht interessiert, ich habe sie also wiederholt, bis ich sie bei der Prüfung wiedergeben konnte und danach war das Wissen weg. Wie bei einem Kellner, der einen Tisch fertig kassiert hat. Wusste er vorher noch genau, was welche Person zu trinken hatte, ist es in der Minute darauf weg. (Übrigens ebenfalls ein erforschtes psychologisches Phänomen). Relevant wurde Geschichte für mich erst durch Kunstgeschichte. Ich liebte es zu malen, es entspricht einem Talent von mir. Umso spannender fand ich es, dass die Industrialisierung, die Entwicklung des Fotoapparats und der Impressionismus in der Kunst zeitlich zusammenfielen. Die Impressionisten waren gezwungen eine Technik zu entwickeln, die Motive abbildet, die der Fotoapparat (noch) nicht einfangen konnte. Wie den Dampf einer Lokomotive. Diese Geschichte fand ich spannend und war in meiner Geisteslandschaft relevant. Und ich weiß sie noch heute. Wenn Lehrer daran arbeiten, die Relevanz der Sache in den Köpfen der Schüler zu entdecken, werden sie ungeahnte Wunder erfahren.
Übrigens hatte ich beim Zurückfahren Rückenwind und von hinten rief ein hörbar lachendes Gesicht: "30 km/h!"
Wissenswertes aus der Welt der Psychologie und Psychotherapie für alle Interessierten. Im Rahmen des psychotherapeutischen Propädeutikums werden hier Themen aufgearbeitet sowie Restaurants und Unterkünfte in Linz beschrieben. "P" steht für Psychologie, "R" für Restaurant, "H" für Hotel bzw. Herberge und "S" für sonstiges Wissenswertes. Viel Spaß!
7. Juni 2011
4. Dezember 2010
S | Klug und fein I
Auszug aus einem Interview von Cordula Reyer mit Christian Louboutin im Wirtschaftsblatt deluxe vom 3. Dezember 2010:
DeLuxe: Ihr Vater war Kunsttischler. Hat Sie das in irgendeiner Weise beeinflusst?
CHRISTIAN LOUBOUTIN: Sicherlich, wenn auch unbewusst. Mein Vater ist ein sehr introvertierter Mensch. Er redet nicht viel. In meiner Kindheit war er meistens in seiner Werkstatt. Einen Sinn und ein Gefühl für Struktur habe ich von ihm auf alle Fälle mitbekommen. Aber er sagte etwas - eigentlich etwas ganz Banales -, was zu meiner Lebensphilosophie geworden ist: Dass man immer in Richtung der Faser und nie gegen die Faser arbeiten soll, sonst zieht man sich einen Schiefer ein. Er meinte das in allen Belangen. Ich versuche diese Erkenntnis vor allem bei den Menschen in meiner Umgebung anzuwenden. Bei meinen Handwerkern zum Beispiel. Ich versuche immer in ihre Richtung zu gehen und versuche zu erkennen, was ihre Fähigkeiten sind. Ich versuche sie nicht zu verändern oder gar zu brechen, um etwas zu bekommen, was ohnehin nicht ihre Stärke wäre. Wenn man danach lebt, vereinfacht sich vieles.
DeLuxe: Ihr Vater war Kunsttischler. Hat Sie das in irgendeiner Weise beeinflusst?
CHRISTIAN LOUBOUTIN: Sicherlich, wenn auch unbewusst. Mein Vater ist ein sehr introvertierter Mensch. Er redet nicht viel. In meiner Kindheit war er meistens in seiner Werkstatt. Einen Sinn und ein Gefühl für Struktur habe ich von ihm auf alle Fälle mitbekommen. Aber er sagte etwas - eigentlich etwas ganz Banales -, was zu meiner Lebensphilosophie geworden ist: Dass man immer in Richtung der Faser und nie gegen die Faser arbeiten soll, sonst zieht man sich einen Schiefer ein. Er meinte das in allen Belangen. Ich versuche diese Erkenntnis vor allem bei den Menschen in meiner Umgebung anzuwenden. Bei meinen Handwerkern zum Beispiel. Ich versuche immer in ihre Richtung zu gehen und versuche zu erkennen, was ihre Fähigkeiten sind. Ich versuche sie nicht zu verändern oder gar zu brechen, um etwas zu bekommen, was ohnehin nicht ihre Stärke wäre. Wenn man danach lebt, vereinfacht sich vieles.
27. November 2010
P | Psychoanalyse: Grundformen der Angst
1961 entwickelte der Psychoanalytiker Fritz Riemann das Modell der "4 Grundformen der Angst"
Die Ordnungs-Wandel-Achse ist die Zeitachse, die Nähe-Distanz-Achse ist die Raumachse. Schwierig wird es immer, wenn einander gegengesetzte Typen im Konflikt aufeinandertreffen. Denn was tue ich, wenn ein extremer Ordnungstyp einem extremen Wandeltyp vorgesetzt ist und Zweiterer sich nicht an die vereinbarten Abgabetermine hält? Entlang der Raumachse zu diskutieren wird hier wenig Erfolg bringen, die zwei Personen werden viel Energie darauf verwenden aneinander vorbeizureden. Die Möglichkeit, dass beide jedoch ebenfalls auf einer der beiden anderen Achsen gute Ausprägungen haben ist ziemlich hoch. Folgedessen könnte der Vorgesetzte dem Mitarbeiter auf der Näheebene entgegenkommen: "Ich verstehe, dass du die neuesten Entwicklungen ebenfalls in die Analyse einfließen lassen möchtest, um sie so umfassend wie möglich darzustellen. Dadurch kommen die Ergebnisse jedoch meist verspätet an. Somit muss sich das gesamte Team danach richten, wann die Auswertung zur Verfügung steht und das hemmt wiederum dessen Fortschritt bei der Arbeit..." Oder aber auf der Distanzachse, indem beispielsweise Zielvereinbarungen getroffen werden.
In dem dargestellten Beispiel ist die Person sowohl im Bereich Ordnung stark ausgeprägt, als auch im Bereich Wandel. Kann das sein? Ja, es kann. Es deutet auf ein großes Verhaltensrepertoire in diesen Bereichen hin, allerdings hat diese Person auch mit inneren Konflikten zu kämpfen. Womöglich kann sie sich nicht entscheiden, ob sie lieber ein sicheres Einkommen mit geregelten Arbeitszeiten und einem fixen Team bevorzugt oder doch selbstständig in vielfältigen Projekten arbeiten soll. Für solche Menschen lohnt es sich ein besonderes Augenmerk auf die innere Ruhe zu legen und zu lernen mit inneren Konflikten umzugehen. Alles zugleich geht nun einmal nicht.
Im Konflikt ist folgende Fragen von Interesse:
Was brauchen Personen verschiedener Angst-Ausprägungen?
Wandel: Diese Personen wollen bewundert werden, sie brauchen ein wenig Applaus. Ein typischer Satz für sie wäre: "Du bist toll."
Distanz: Leistung, Selbstständigkeit und die Anerkennung ihrer Leistung sind dieser Person wichtig. "Toll hast du das gemacht!"
Ordnung: Sie brauchen Einfluss in einem Bereich, in dem sie die Regeln selbst aufstellen können. Dieser Person eine Position anzubieten und ihr Verantwortung zu übergeben kann hier nur richtig sein.
Nähe: Diese Personen freuen sich besonders über Lob, Zuwendung und Verständnis. "Ich verstehe dich", "Gemeinsam schaffen wir das." sind Schlüsselsätze.
Das Ausprägungsviereck ist noch in einer weiteren Dimension zu lesen: Befinden sich die stärksten Ausprägungen unten (BC), so haben wir es mit einer verbindlichen Person zu tun, sind sie oben (AD) strebt die Person nach Unabhängigkeit. Spannend ist das vor allem bei Jungunternehmern. Eine Grundeignung liegt eher in den oberen zwei Quadranten. Findet man die stärksten Ausschläge rechts (BD), so haben wir es mit einer sehr emotionalen Person zu tun. Ausbildungen links (AC) betonen die rationale Seite des Menschen.
Woher ich das alles weiß?
F. Riemann: Grundformen der Angst, 2009
Duden, deutes Universalwörterbuch, 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2011
http://de.wikipedia.org/wiki/Riemann-Thomann-Modell, 27.11.2010, 16:49
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/Riemann.shtml, 27.11.2010, 16:49
Workshop "Konfliktmanagement" - TRAIN Consulting GmbH, Mag. Thomas Schöller, Mag. Oliver Schrader, November 2010
(http://www.sosystems.de/files/u1/riemann.jpg)
In seinem Buch "Grundformen der Angst" unterstellt er jedem Menschen vier Typen der Persönlichkeit, bei denen es sich „letztlich um vier verschiedene Arten des In-der-Welt-Seins“ (Einleitung, S. 18), verbunden mit den entsprechenden „Grundformen“ der Angst, handeln soll. Er nennt sie schizoide, depressive, zwanghafte oder hysterische Persönlichkeiten. Es handelt sich dabei um keine Typologie, sondern um Ausprägungen einer Persönlichkeit. Jede/r von uns hat alle vier Grundformen in sich, sie sind jedoch verschieden stark ausgebildet und darüber hinaus wandlungsfähig. Durch Erfahrungen oder Training kann sich die Neigung verändern. In diesem Zusammenhang ist es natürlich noch spannend was der Begriff "Grundform" oder "Grundausrichtung" genau bedeutet. Laut Duden (S.211) bedeutet "ausrichten" in diesem Zusammenhang: "in bestimmter Weise, an einer bestimmten Ideologie o.Ä. orientieren". Kurz und gut: die 4 Grundformen der Angst dienen uns dazu, uns besser orientieren zu können und Komplexität zu reduzieren.
Großer Trommelwirbel........... und SO sehen sie aus:
Die in meinem Beispiel dargestellte Person hat hohe Ausprägungen in Ordnung, Wandel und Nähe, weniger in Distanz.
Was bedeuten die Ausprägungen?
Distanz (der schizoide Mensch)
Menschen mit dieser Ausrichtung wollen und brauchen Abgrenzung, Unverwechselbarkeit, Freiheit, Individualität, Eigenständigkeit, rationales Denken und Handeln. Sie wollen nicht beeinflusst werden, suchen den Abstand und scheinen niemanden zu brauchen. Sie wirken oft kühl und unnahbar. Die Vernunft ist ihnen sehr wichtig.
Erst wenn ihnen in einer Beziehung zu anderen ein hohes Maß an Freiheit und Rückzugsmöglichkeiten garantiert wird, lassen sie sich auf Gefühle und Nähe ein. Sie wollen nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein und wirken oft bindungsängstlich und/oder unbeholfen im emotionalen Bereich.
Erst wenn ihnen in einer Beziehung zu anderen ein hohes Maß an Freiheit und Rückzugsmöglichkeiten garantiert wird, lassen sie sich auf Gefühle und Nähe ein. Sie wollen nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein und wirken oft bindungsängstlich und/oder unbeholfen im emotionalen Bereich.
Nähe (der depressive Mensch)
Ihnen ist Nähe zu anderen Menschen, Bindung, Zuneigung, Vertrauen, Sympathie, Mitmenschlichkeit, Geborgenheit, Zärtlichkeit und Harmonie wichtig. Sie brauchen Wärme, Bestätigung, sind selbstlos bis zur Selbstaufgabe, haben soziale Interessen, können sich leicht mit anderen identifizieren und sich selbst vergessen. "Nähemenschen" sind kontaktfähig, teambereit, ausgleichend, akzeptierend und verständnisvoll. Sie neigen aber auch zu Abhängigkeit, da sie ungern alleine sind. Sie haben eine Opfermentalität und sind aggressionsgehemmt.
Ordnung (der zwanghafte Mensch)
Für Menschen mit einer Dauerausrichtung sind Werte größter Wichtigkeit: Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Wille, Verantwortung, Planung, Vorsicht, Kontrolle, Ziele, Gesetze, Kontinuität, Notwendigkeit, Verbindlichkeit, Treue, Grundsätze, Regeln, Analysieren, Stabilität, Pflicht, Dauer, Konsequenzen.
"Dauermenschen" sind sehr verlässlich, systematisch, gründlich, ordentlich, sie haben Organisationstalent und sind prinzipientreu. Sie neigen aber auch dazu, manchmal langweilig, unflexibel, pedantisch und stur zu sein.
"Dauermenschen" sind sehr verlässlich, systematisch, gründlich, ordentlich, sie haben Organisationstalent und sind prinzipientreu. Sie neigen aber auch dazu, manchmal langweilig, unflexibel, pedantisch und stur zu sein.
Wandel (der hysterische Mensch)
Für Menschen mit dieser Ausrichtung steht alles Neue und ständig Wechselnde im Vordergrund. Sie sind das Gegenteil der so genannten Dauermenschen. Alles, was mit Leidenschaften, Reizen, Rausch und Phantasie zu tun hat, ist für sie sehr wichtig. Sie suchen den Genuss, Charme, Kreativität, Temperament, Suggestion, Spontaneität, Risiko, Ideenreichtum, Dramatik und Begehren. Diese Menschen sind neugierig, wünschen, suchen, lernen und leben gerne. Sie sind kreativ, einfallsreich, spontan und unterhaltsam. Sie können aber auch unzuverlässig, chaotisch, theatralisch, egozentrisch, geschwätzig und unsystematisch sein.Die Ordnungs-Wandel-Achse ist die Zeitachse, die Nähe-Distanz-Achse ist die Raumachse. Schwierig wird es immer, wenn einander gegengesetzte Typen im Konflikt aufeinandertreffen. Denn was tue ich, wenn ein extremer Ordnungstyp einem extremen Wandeltyp vorgesetzt ist und Zweiterer sich nicht an die vereinbarten Abgabetermine hält? Entlang der Raumachse zu diskutieren wird hier wenig Erfolg bringen, die zwei Personen werden viel Energie darauf verwenden aneinander vorbeizureden. Die Möglichkeit, dass beide jedoch ebenfalls auf einer der beiden anderen Achsen gute Ausprägungen haben ist ziemlich hoch. Folgedessen könnte der Vorgesetzte dem Mitarbeiter auf der Näheebene entgegenkommen: "Ich verstehe, dass du die neuesten Entwicklungen ebenfalls in die Analyse einfließen lassen möchtest, um sie so umfassend wie möglich darzustellen. Dadurch kommen die Ergebnisse jedoch meist verspätet an. Somit muss sich das gesamte Team danach richten, wann die Auswertung zur Verfügung steht und das hemmt wiederum dessen Fortschritt bei der Arbeit..." Oder aber auf der Distanzachse, indem beispielsweise Zielvereinbarungen getroffen werden.
In dem dargestellten Beispiel ist die Person sowohl im Bereich Ordnung stark ausgeprägt, als auch im Bereich Wandel. Kann das sein? Ja, es kann. Es deutet auf ein großes Verhaltensrepertoire in diesen Bereichen hin, allerdings hat diese Person auch mit inneren Konflikten zu kämpfen. Womöglich kann sie sich nicht entscheiden, ob sie lieber ein sicheres Einkommen mit geregelten Arbeitszeiten und einem fixen Team bevorzugt oder doch selbstständig in vielfältigen Projekten arbeiten soll. Für solche Menschen lohnt es sich ein besonderes Augenmerk auf die innere Ruhe zu legen und zu lernen mit inneren Konflikten umzugehen. Alles zugleich geht nun einmal nicht.
Im Konflikt ist folgende Fragen von Interesse:
Was brauchen Personen verschiedener Angst-Ausprägungen?
Wandel: Diese Personen wollen bewundert werden, sie brauchen ein wenig Applaus. Ein typischer Satz für sie wäre: "Du bist toll."
Distanz: Leistung, Selbstständigkeit und die Anerkennung ihrer Leistung sind dieser Person wichtig. "Toll hast du das gemacht!"
Ordnung: Sie brauchen Einfluss in einem Bereich, in dem sie die Regeln selbst aufstellen können. Dieser Person eine Position anzubieten und ihr Verantwortung zu übergeben kann hier nur richtig sein.
Nähe: Diese Personen freuen sich besonders über Lob, Zuwendung und Verständnis. "Ich verstehe dich", "Gemeinsam schaffen wir das." sind Schlüsselsätze.
Das Ausprägungsviereck ist noch in einer weiteren Dimension zu lesen: Befinden sich die stärksten Ausprägungen unten (BC), so haben wir es mit einer verbindlichen Person zu tun, sind sie oben (AD) strebt die Person nach Unabhängigkeit. Spannend ist das vor allem bei Jungunternehmern. Eine Grundeignung liegt eher in den oberen zwei Quadranten. Findet man die stärksten Ausschläge rechts (BD), so haben wir es mit einer sehr emotionalen Person zu tun. Ausbildungen links (AC) betonen die rationale Seite des Menschen.
Woher ich das alles weiß?
F. Riemann: Grundformen der Angst, 2009
Duden, deutes Universalwörterbuch, 4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2011
http://de.wikipedia.org/wiki/Riemann-Thomann-Modell, 27.11.2010, 16:49
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/Riemann.shtml, 27.11.2010, 16:49
Workshop "Konfliktmanagement" - TRAIN Consulting GmbH, Mag. Thomas Schöller, Mag. Oliver Schrader, November 2010
21. November 2010
H | Preis- und Standortvergleich
soeben gefunden: ein (nicht ganz aktueller) Preis- und Standortvergleich der Hotels in Linz! Sehr praktisch!
http://linz.onblog.at/
http://linz.onblog.at/
R | Alte Welt
An dem Samstag zu Mittag dieses Seminarmoduls hatte die "Alte Welt" das Vergnügen uns bewirten zu dürfen. Etwas schwierig für Uneingeweihte zu finden: Zwar direkt am Hauptplatz, jedoch in einem Innenhof kommt man in das Kellerlokal mit Flair. Das Bild zeigt den Speiseraum (mit freundlicher Genehmigung von Carlo).
Geboten wird hier traditionelle österreichische Küche mit Pfiff. Die hölzerne Speisekarte vermittelt sogleich das passende Flair: traditionell, gleichzeitig modern und auf das Wesentliche beschränkt.
Die Speisekarte ist nicht allzu groß, lässt jedoch keinen Wunsch offen. Von Reh über Risotto bis zu Schafskäse und dem typischen Wiener Schnitzel: für jeden ist etwas dabei. Die Preise wirken in Ordnung - solange bis man die Speise bekommt. In meinem Fall Wiener Schnitzel mit gemischtem Salat um 8,5 €:
Das auf der Seite ist nicht die Garnitur, sondern der gemischte Salat. Nun ja. Wenigstens konnte ich dem Unterricht am Nachmittag gut folgen, da mein Magen zwar ausreichend, jedoch nicht übermäßig beschäftigt war. Die Kartoffel-Quiche meiner Kolleginnen war leider nicht ausreichend aufgewärmt, geschmacklich war alles jedoch sehr gut.
Fazit: Geschmack und Ideen sehr gut, Umsetzung und Preis-Leistungsverhältnis verbesserungswürdig.
Geboten wird hier traditionelle österreichische Küche mit Pfiff. Die hölzerne Speisekarte vermittelt sogleich das passende Flair: traditionell, gleichzeitig modern und auf das Wesentliche beschränkt.
Die Speisekarte ist nicht allzu groß, lässt jedoch keinen Wunsch offen. Von Reh über Risotto bis zu Schafskäse und dem typischen Wiener Schnitzel: für jeden ist etwas dabei. Die Preise wirken in Ordnung - solange bis man die Speise bekommt. In meinem Fall Wiener Schnitzel mit gemischtem Salat um 8,5 €:
Das auf der Seite ist nicht die Garnitur, sondern der gemischte Salat. Nun ja. Wenigstens konnte ich dem Unterricht am Nachmittag gut folgen, da mein Magen zwar ausreichend, jedoch nicht übermäßig beschäftigt war. Die Kartoffel-Quiche meiner Kolleginnen war leider nicht ausreichend aufgewärmt, geschmacklich war alles jedoch sehr gut.
Fazit: Geschmack und Ideen sehr gut, Umsetzung und Preis-Leistungsverhältnis verbesserungswürdig.
H | Ibis Linz
Dieses Wochenende war es wieder soweit. Eine Nacht in Linz stand an. Diesmal wollte ich mich auf keine Experimente einlassen, meine letzten Erfahrungen schrien nach Erholung. Deshalb nahm ich den Tipp eines Dozenten an: Das Ibis in Linz sei eine durchaus gute Wahl.
Voilá.
Gebucht werden kann lediglich online - allerdings habe ich erfahren, dass auch Buchungen über das Telefon möglich sind. Die Erzählung über solch eine Buchung klang ausgesprochen amüsant: Man landet in "Fronkraisch" und telefoniert dann gefühlte zwei Stunden mit einer freundlichen Dame, die mit einem sehr netten französischen Dialekt bemüht deutsch spricht, um 5 Buchungen durchzuführen. Angeblich tut man dies dann aber sehr gerne. Diese Erzählung stammt - von einem Mann. Ob bei einem Anruf von mir wohl ein Herr abnehmen würde? Es wäre einen Versuch wert...
Wie auch immer, ich fand das online Buchen sehr unkompliziert und kann mich damit ausgesprochen gut anfreunden. Ich bin auch gleich dem Accor-Club beigetreten, denn wann immer ich in Zukunft in einem Accor-Hotel buche, bekomme ich Punkte gutgeschrieben, die nicht verfallen und mir Vergünstigungen einbringen. Das habe ich gerne.
Sehr fein fand ich die Lage des Hotels - direkt gegenüber dem Hauptbahnhof (wie es bei Ibis das Geschäftskonzept vorsieht). Da ich Zugfahrerin bin: ideal. Das Personal an der Rezeption war freundlich, mein Zimmer sah folgendermaßen aus:
Alles solide und sauber. Der Duschkopf hatte keine Kalkspuren! (Ich mag das!) Dass es eine amerikanische Kette ist, ist schnell ersichtlich. Das Design der Zimmer lässt darauf schließen, die Badezimmertür hat sogar einen typisch amerikanischen Türknauf statt einer Schnalle und auch die Werbeplakate, die die Lobby und den Gang zieren, sind für meinen Geschmack sehr american-style.
Zu bemängeln habe ich lediglich den Duft - als wäre eine sehr parfümierte Damen mehrere Stunden in dem Zimmer verweilt - der von den Reinigungsmitteln stammt und sehr süß war. Fenster öffnen hilft dagegen jedoch bekanntlich sehr gut. Ich habe mich auch nicht so wohl gefühlt, dass ich den Teppich barfuß betreten wollte, das ist jedoch ohnehin selten der Fall.
Das Frühstück, das 10 Euro kostet, besteht aus einem Buffet, das keinerlei Wünsche offen lässt. Auch hier ist der ein wenig unpersönliche Stil des Hotels spürbar: Gegessen wird auf Tabletts, auf denen eine Papierunterlage bedruckt mit Werbung liegt, Saft und Kaffee gibt es zur Selbstbedienung aus Automaten. Allerdings wird sowohl beim Gebäck als auch bei den Getränken auf hohe Qualität geachtet. Die 10 Euro habe ich ohne Reue bezahlt.
Alles in allem: Nach einem anstrengenden Seminartag kann man sich in diesem etwas unpersönlichen, jedoch sauberen und sehr bemühten Hotel bis zum nächsten Morgen gut erholen. Das Preis-Leistungsverhältnis finde ich angemessen für Linzer Verhältnisse. (69 Euro für eine Nacht im Einzelzimmer plus Frühstück).
17. November 2010
P | Psychopathologie: Flashback durch Cannabis
Vor Kurzem führte ich ein Gespräch mit einem der großartigsten Schlagzeuger, die unser Alpenland zu bieten hat. Aus unerklärlichen Gründen schaffen wir es nicht ein "normales" (doch was ist schon normal), ernsthaftes Gespräch zu führen, ab dem zweiten Satz breche zumindest ich meist in Gelächter aus, wir sulen uns in den Zweideutigkeiten, die die deutsche Sprache zu bieten hat und lassen unsere kreativen Gedanken einfach von der Leine. Ein Phänomen, das wir bei unserer letzten Unterhaltung diskutiert haben. Denn auf andere könnte es durchaus wirken als wären wir high. Was definitiv nicht der Fall ist. Dann kam die Sprache auf ein Phänomen, das Dr. Knienider im letzten Modul des Propädeutikums erwähnt hat: das Flashback. Innerhalb kürzester Zeit stand es Aussage gegen Aussage: Ein Flashback aufgrund von Cannabis-Konsums könne nicht sein meinte der Musiker, könne es sehr wohl meinte ich. Zu 100% sicher war ich mir jedoch nicht und somit hier die Rechercheergebnisse:
Was ist ein Flashback?
Unter einem Flashback wird ein Wiedererleben früherer Gefühlszustände verstanden. Es kann durch Schlüsselreize hervorgerufen werden und es gilt als Symptom posttraumatischer Belastungsstörungen. In der Psychotraumatologie werden Flashbacks auch Intrusionen genannt.
Der Begriff wird auch benutzt, um das Wiederkehren eines Rauscherlebnisses zu beschreiben, das durch Drogen erzeugt wurde, jedoch ohne erneute Drogeneinnahme erfolgt. Flashbacks drängen sich dem Betroffenen auf, der sich nicht gegen die begleitenden Erinnerungen oder Gefühlszustände erwehren kann.
Cannabis und was es tut
Cannabis ist eine Pflanze mit psychoaktiven Effekten. Der aktivierende Bestandteil ist THC (Tetrahydrocannabiol), das in Haschisch (das verfestigte Harz der Pflanze) und Marihuana (die getrockneten Blätter und Blüten der Pflanze) vorkommt. Der Effekt ist weitgehend bekannt: kleine Dosen führen zu milden, angenehmen Hochgefühlen, große Dosen zu lang anhaltenden halluzinogenen Reaktionen, abhängig vom Kontext können auch negative Effekte wie Angst, Furcht oder Verwirrung auftreten. Cannabinoide (die aktiven Chemikalien in Marihuana) binden an spezifische Rezeptoren im Gehirn, meist im Hippocampus an und funktionieren als Neuromodulatoren. (Das heißt im Wesentlichen nur, dass diese Substanzen die Arbeitsweise des Nervensystems beeinflussen). Man befindet sich durch die Einnahme von Cannabis also in einem Rausch.
In den ICD10 fällt der Rauschzustand durch die Einnahme von Drogen in die F10 - 19: Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen und ist folgendermaßen definiert: „Ein Zustandsbild nach Aufnahme einer psychotropen Substanz mit Störungen von Bewusstseinslage, kognitiven Fähigkeiten, Wahrnehmung, Affekt und Verhalten oder anderer psychophysiologischer Funktionen und Reaktionen. Die Störungen stehen in einem direkten Zusammenhang mit den akuten pharmakologischen Wirkungen der Substanz und nehmen bis zur vollständigen Wiederherstellung mit der Zeit ab, ausgenommen in den Fällen, bei denen Gewebeschäden oder andere Komplikationen aufgetreten sind. Komplikationen können ein Trauma, Aspiration von Erbrochenem, Delir, Koma, Krampfanfälle und andere medizinische Folgen sein. Die Art dieser Komplikationen hängt von den pharmakologischen Eigenschaften der Substanz und der Aufnahmeart ab.“
In dieser Beschreibung bleibt also noch alles offen. Denn "andere Komplikationen" können vielerlei Art sein. Es passt zu dem Umstand, dass Flashbacks im Sinne eines Echorauschs den Ruf "noch nicht ausreichend erforscht" haben. Wichtig finde ich ebenfalls, was Pschyrembel dazu sagt. Unter "Rauschmittel" findet man folgenden Satz: "nach § 323a StGB macht sich strafbar, wer sich vorsätzlich oder fahrlässig durch Rauschmittel in eien Rausch versetzt, und in diesem Zustand eine rechtswidrige Tat begeht, derentwegen er nicht bestraft werden kann, weil er infolge des Rausches schuldunfähig war [...]" Denn bei einem Flashback fällt der Vorsatz ja weg. Diesen Umstand stelle ich mir für die Rechtssprechung schwierig vor. Aber das ist eine andere Geschichte. Für alle Interessierten hier jedoch der Link zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über Flashback und Fahrtüchtigkeit.
Kann Cannabis ein Flashback verursachen?
Ja, das ist nun natürlich die spannende Frage. Das Psychologie-Lexikon sagt unter dem Themenpunkt "Flashback" eindeutig ja: "[...] 2) physiologisch bedingter rauschähnlicher Zustand, der nach Einnahme von LSD oder Cannabis erst mehrere Tage danach auftritt, und so stark werden kann, daß ärztlich Hilfe in Anspruch genommen werden muß. [...]"
Die Seite cannabislegal.de beschreibt, dass THC nach dem Konsum in der Leber vollständig abgebaut wird und lediglich teilweise in Fettgewebe abgelagert wird. Allerdings gibt es grundlegende Unterschiede in der Einnahme. Beim Rauchen von Cannabis wird das THC in den Blutkreislauf aufgenommen und ungefähr 20% davon wandern direkt in das Gehirn, wo das THC an Rezeptoren im Hippocampus bindet. Der Rest wird sofort von der Leber abgebaut. Bei der oralen Einnahme ist das anders. Denn bevor das Gehirn Stoffe zugeliefert bekommt, die über den Magen verarbeitet wurden, muss alles erst einmal durch die Leber. Das bedeutet, dass eine deutliche "Überdosis" nötig ist, um den gewünschten Effekt zu erzielen - die Leber ist in diesem Fall überfordert und lässt einige der Stoffe einfach weiterlaufen, um sie beim nächsten Mal zu verarbeiten. Man könnte es auch so sagen: Die Leber spielt "Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann" und hofft die Flinksten beim nächsten Mal zu erwischen. Das ist übrigens bei jeder Aspirin-Tablette, die wir einnehmen, ebenso. Weitaus gefährlicher als Cannabis zu rauchen ist es in jedem Fall, es zu essen.
Was jedoch sofort berichtigt werden muss: Ein Flashback entsteht nicht durch Stoffe, die eingelagert und noch nicht abgebaut wurden. Auch Traumata (z.B. Kriesgstrauma) werden teilweise durch Flashbacks verarbeitet - und diese sind an überhaupt keinen Botenstoff gebunden. Es ist das Gefühl bzw. der Zustand, der gespeichert ist und durch einen bestimmten Reiz plötzlich wieder hochkommt. Warum dies so ist, ist unklar und nicht vorhersehbar. Womöglich hat der Cannabiskonsum bei der Person eine u.U. so schlimme Erfahrung ausgelöst, dass daraus ein Trauma entstanden ist. Cannabislegal.de geht hierbei schlicht von anderen (meiner Meinung nach falschen) Annahmen aus.
Nun ja. Auf www.cannabis.at fand ich folgendes Umfrageergebnis (Stand 17.11.2011, 21:55 Uhr)
Immerhin 22 von 93 Personen sind sich darin sicher schon einmal ein Flashback gehabt zu haben. Tja, das entspricht zwar nicht der Norm, denn Flashbacks aufgrund von Cannabis-Konsum sollen angeblich eher selten sein, aber vielleicht stimmt es ja doch bei der ein oder anderen Person. Immerhin hätte es ja auch noch die Option "Hmm...weis nicht genau obs Einbildung war " gegeben.
Zu guter Letzt noch ein Link zu dem Benutzer gag auf cannabis-med.org, der seine Echorausch-Erlebnisse aufgrund von Cannabis beschreibt. Mit zahlreichen Antwort-Posts, die ihm per Ferndiagnose Psychosen unterstellen. Es bleibt somit jedem noch selbst überlassen, was er/sie glaubt. Ich persönlich glaube daran, dass Flashbacks durch Cannabis möglich sind.
Allerdings finde ich die Ausdrucksweise der Nutzer sehr - wie soll ich sagen - signifkant!? Deshalb denke ich nun auch nicht mehr, dass jemand, der ein Gespräch zwischen dem genannten Drummer und mir belauscht tatsächlich denken könnte, wir wären auf Drogen. Wir sind einfach wirklich so.
Woher ich das weiß?
http://de.wikipedia.org/wiki/Flashback_%28Psychopathologie%29, 17.11.2010, 20:30
http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlgm2010/block-f10-f19.htm, 17.11.2010, 21:00
http://de.wikipedia.org/wiki/Neuromodulator, 17.11.2010, 21:24
R. Gerrig und P. Zimbardo (2008) Psychologie, S. 185 f
Pschyrembel (2010) Klinisches Wörterbuch, 262. Auflage, S. 1752
http://www.psychology48.com/deu/d/flashback/flashback.htm, 17.11.2010, 21:38
http://www.cannabislegal.de/cannabisinfo/flashback.htm, 17.11.2010, 21:50
http://www.cannabis.at/forum/erfahrungen/6754-hattet-ihr-schon-nen-flashback-von-gras-hasch.html, 17.11.2010, 22:00
http://cannabis-med.org/german/forum/showthread.php?196-Flashback-%28Echorausch%29, 17.11.2010, 22:06
(see: www.flashback.net)
Was ist ein Flashback?
Unter einem Flashback wird ein Wiedererleben früherer Gefühlszustände verstanden. Es kann durch Schlüsselreize hervorgerufen werden und es gilt als Symptom posttraumatischer Belastungsstörungen. In der Psychotraumatologie werden Flashbacks auch Intrusionen genannt.
Der Begriff wird auch benutzt, um das Wiederkehren eines Rauscherlebnisses zu beschreiben, das durch Drogen erzeugt wurde, jedoch ohne erneute Drogeneinnahme erfolgt. Flashbacks drängen sich dem Betroffenen auf, der sich nicht gegen die begleitenden Erinnerungen oder Gefühlszustände erwehren kann.
Cannabis und was es tut
Cannabis ist eine Pflanze mit psychoaktiven Effekten. Der aktivierende Bestandteil ist THC (Tetrahydrocannabiol), das in Haschisch (das verfestigte Harz der Pflanze) und Marihuana (die getrockneten Blätter und Blüten der Pflanze) vorkommt. Der Effekt ist weitgehend bekannt: kleine Dosen führen zu milden, angenehmen Hochgefühlen, große Dosen zu lang anhaltenden halluzinogenen Reaktionen, abhängig vom Kontext können auch negative Effekte wie Angst, Furcht oder Verwirrung auftreten. Cannabinoide (die aktiven Chemikalien in Marihuana) binden an spezifische Rezeptoren im Gehirn, meist im Hippocampus an und funktionieren als Neuromodulatoren. (Das heißt im Wesentlichen nur, dass diese Substanzen die Arbeitsweise des Nervensystems beeinflussen). Man befindet sich durch die Einnahme von Cannabis also in einem Rausch.
In den ICD10 fällt der Rauschzustand durch die Einnahme von Drogen in die F10 - 19: Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen und ist folgendermaßen definiert: „Ein Zustandsbild nach Aufnahme einer psychotropen Substanz mit Störungen von Bewusstseinslage, kognitiven Fähigkeiten, Wahrnehmung, Affekt und Verhalten oder anderer psychophysiologischer Funktionen und Reaktionen. Die Störungen stehen in einem direkten Zusammenhang mit den akuten pharmakologischen Wirkungen der Substanz und nehmen bis zur vollständigen Wiederherstellung mit der Zeit ab, ausgenommen in den Fällen, bei denen Gewebeschäden oder andere Komplikationen aufgetreten sind. Komplikationen können ein Trauma, Aspiration von Erbrochenem, Delir, Koma, Krampfanfälle und andere medizinische Folgen sein. Die Art dieser Komplikationen hängt von den pharmakologischen Eigenschaften der Substanz und der Aufnahmeart ab.“
In dieser Beschreibung bleibt also noch alles offen. Denn "andere Komplikationen" können vielerlei Art sein. Es passt zu dem Umstand, dass Flashbacks im Sinne eines Echorauschs den Ruf "noch nicht ausreichend erforscht" haben. Wichtig finde ich ebenfalls, was Pschyrembel dazu sagt. Unter "Rauschmittel" findet man folgenden Satz: "nach § 323a StGB macht sich strafbar, wer sich vorsätzlich oder fahrlässig durch Rauschmittel in eien Rausch versetzt, und in diesem Zustand eine rechtswidrige Tat begeht, derentwegen er nicht bestraft werden kann, weil er infolge des Rausches schuldunfähig war [...]" Denn bei einem Flashback fällt der Vorsatz ja weg. Diesen Umstand stelle ich mir für die Rechtssprechung schwierig vor. Aber das ist eine andere Geschichte. Für alle Interessierten hier jedoch der Link zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über Flashback und Fahrtüchtigkeit.
Kann Cannabis ein Flashback verursachen?
Ja, das ist nun natürlich die spannende Frage. Das Psychologie-Lexikon sagt unter dem Themenpunkt "Flashback" eindeutig ja: "[...] 2) physiologisch bedingter rauschähnlicher Zustand, der nach Einnahme von LSD oder Cannabis erst mehrere Tage danach auftritt, und so stark werden kann, daß ärztlich Hilfe in Anspruch genommen werden muß. [...]"
Die Seite cannabislegal.de beschreibt, dass THC nach dem Konsum in der Leber vollständig abgebaut wird und lediglich teilweise in Fettgewebe abgelagert wird. Allerdings gibt es grundlegende Unterschiede in der Einnahme. Beim Rauchen von Cannabis wird das THC in den Blutkreislauf aufgenommen und ungefähr 20% davon wandern direkt in das Gehirn, wo das THC an Rezeptoren im Hippocampus bindet. Der Rest wird sofort von der Leber abgebaut. Bei der oralen Einnahme ist das anders. Denn bevor das Gehirn Stoffe zugeliefert bekommt, die über den Magen verarbeitet wurden, muss alles erst einmal durch die Leber. Das bedeutet, dass eine deutliche "Überdosis" nötig ist, um den gewünschten Effekt zu erzielen - die Leber ist in diesem Fall überfordert und lässt einige der Stoffe einfach weiterlaufen, um sie beim nächsten Mal zu verarbeiten. Man könnte es auch so sagen: Die Leber spielt "Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann" und hofft die Flinksten beim nächsten Mal zu erwischen. Das ist übrigens bei jeder Aspirin-Tablette, die wir einnehmen, ebenso. Weitaus gefährlicher als Cannabis zu rauchen ist es in jedem Fall, es zu essen.
Was jedoch sofort berichtigt werden muss: Ein Flashback entsteht nicht durch Stoffe, die eingelagert und noch nicht abgebaut wurden. Auch Traumata (z.B. Kriesgstrauma) werden teilweise durch Flashbacks verarbeitet - und diese sind an überhaupt keinen Botenstoff gebunden. Es ist das Gefühl bzw. der Zustand, der gespeichert ist und durch einen bestimmten Reiz plötzlich wieder hochkommt. Warum dies so ist, ist unklar und nicht vorhersehbar. Womöglich hat der Cannabiskonsum bei der Person eine u.U. so schlimme Erfahrung ausgelöst, dass daraus ein Trauma entstanden ist. Cannabislegal.de geht hierbei schlicht von anderen (meiner Meinung nach falschen) Annahmen aus.
Nun ja. Auf www.cannabis.at fand ich folgendes Umfrageergebnis (Stand 17.11.2011, 21:55 Uhr)
Immerhin 22 von 93 Personen sind sich darin sicher schon einmal ein Flashback gehabt zu haben. Tja, das entspricht zwar nicht der Norm, denn Flashbacks aufgrund von Cannabis-Konsum sollen angeblich eher selten sein, aber vielleicht stimmt es ja doch bei der ein oder anderen Person. Immerhin hätte es ja auch noch die Option "Hmm...weis nicht genau obs Einbildung war " gegeben.
Zu guter Letzt noch ein Link zu dem Benutzer gag auf cannabis-med.org, der seine Echorausch-Erlebnisse aufgrund von Cannabis beschreibt. Mit zahlreichen Antwort-Posts, die ihm per Ferndiagnose Psychosen unterstellen. Es bleibt somit jedem noch selbst überlassen, was er/sie glaubt. Ich persönlich glaube daran, dass Flashbacks durch Cannabis möglich sind.
Allerdings finde ich die Ausdrucksweise der Nutzer sehr - wie soll ich sagen - signifkant!? Deshalb denke ich nun auch nicht mehr, dass jemand, der ein Gespräch zwischen dem genannten Drummer und mir belauscht tatsächlich denken könnte, wir wären auf Drogen. Wir sind einfach wirklich so.
Woher ich das weiß?
http://de.wikipedia.org/wiki/Flashback_%28Psychopathologie%29, 17.11.2010, 20:30
http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlgm2010/block-f10-f19.htm, 17.11.2010, 21:00
http://de.wikipedia.org/wiki/Neuromodulator, 17.11.2010, 21:24
R. Gerrig und P. Zimbardo (2008) Psychologie, S. 185 f
Pschyrembel (2010) Klinisches Wörterbuch, 262. Auflage, S. 1752
http://www.psychology48.com/deu/d/flashback/flashback.htm, 17.11.2010, 21:38
http://www.cannabislegal.de/cannabisinfo/flashback.htm, 17.11.2010, 21:50
http://www.cannabis.at/forum/erfahrungen/6754-hattet-ihr-schon-nen-flashback-von-gras-hasch.html, 17.11.2010, 22:00
http://cannabis-med.org/german/forum/showthread.php?196-Flashback-%28Echorausch%29, 17.11.2010, 22:06
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